Freiwilligendienste

Freiwilliges Soziales Jahr und Bundesfreiwilligendienst bei der Lebenshilfe Duisburg – und ich bin dabei!

Junge Menschen, die Erfahrungen bei einem der größten Träger der sozialpädagogischen Behindertenhilfe im Sozialraum Duisburg sammeln möchten, haben bei der Lebenshilfe Duisburg die Chance, ein facettenreiches, praktisches Jahr zu absolvieren. Jährlich stehen nach den Sommerferien 29 freie Stellen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst (BFD) zur Verfügung. Der Einsatz erfolgt im Rahmen der Schulinklusion, im Freizeitbereich, der Tagespflege und in der Verwaltung (BFD).

Von dem Engagement profitieren gleichermaßen die Freiwilligen durch ein Zuwachs an Erfahrungen und Kompetenzen, als auch die Menschen mit Handicap durch die Realisierung von Teilhabechancen. Das FSJ kann nach der Pflichtschulzeit bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres geleistet werden. Das BFD hat keine Altersbeschränkung. Die Freiwilligen können beide Dienste im Zeitraum von sechs bis 18 Monaten erbringen. Die Helfer bekommen ein Taschengeld sowie Unterstützung bei Unterkunft und Verpflegung. Monatlich erhalten sie eine Gesamtvergütung von 401,00 € (Stand 2016).

Eine spannende und abwechslungsreiche Einführungswoche bereitet die FSJ/BFD-Anwärter auf ihren Dienst vor. Während des Dienstes unterstützen und begleiten die Freiwilligen, Kinder und Jugendliche mit Handicap im Schul- oder Kindergartenalltag, in einer Heilpädagogischen Tagesgruppe für junge Menschen mit autistischen Verhaltensweisen sowie bei der Freizeitgestaltung, z.B. in verschiedenen Erlebnisgruppen und bei der inklusiven Ferienfreizeit. Dazu fallen die jeweils damit verbundenen bürokratischen Arbeiten an. Das BFD ist vorwiegend verwaltungstechnisch organisiert. Gleichwohl werden Aufgaben in der praxisorientierten Behindertenarbeit erledigt.

Interessante und passgenaue Bildungs- und Qualifizierungsangebote für die Freiwilligen ergänzen die praktische Arbeit. Insgesamt sind 25 Bildungstage zu durchlaufen. Während des Freiwilligenjahres stehen den jungen Mitarbeitern, Fachkräfte der Lebenshilfe pädagogisch zur Seite.

Am Ende des Dienstes erhalten Absolventen ein Zertifikat, welches an vielen Hochschulen und Einrichtungen als Praktikum anerkannt ist.

Interviews mit Absolventen eines FSJ bei der Lebenshilfe Duisburg

Interview mit Vanessa John, ehem. FSJlerin im Inklusionsdienst (2015-2016)

LEBENSHILFE: Wie bist du auf die Idee gekommen ein FSJ bei der LH Duisburg bzw. in der Behindertenhilfe zu absolvieren?

VANESSA: Auf die Idee gekommen, ein FSJ zu absolvieren, bin ich dadurch, dass ich für meine Wunschausbildung - Erzieherin - ein Jahrespraktikum oder FSJ als Einstiegsvoraussetzung benötigte. Meine Hoffnung war, in einem Freiwilligen Sozialen Jahr eine breitere Palette kennenzulernen als in einem Jahrespraktikum. Da ich schon jemanden kannte, der ebenfalls sein FSJ bei der Lebenshilfe absolviert hat, stand für mich relativ schnell fest- da möchte ich auch hin. 

LEBENSHILFE: Möchtest du später eine Ausbildung/ein Studium im Bereich Soziales oder Pädagogik beginnen?

VANESSA: Eine Ausbildung im Bereich Pädagogik habe ich nun nach dem FSJ begonnen und ich kann mir definitiv vorstellen, mich danach noch in Richtung Soziale Arbeit oder Heilpädagogik weiterzubilden. 

LEBENSHILFE: Von welchen Erfahrungen aus deinem FSJ kannst du profitieren?

VANESSA: Ich gehe viel offener und motivierter an neue Herausforderungen heran und dadurch, dass ich mit Menschen von jung bis alt arbeiten durfte, kann ich viele Verhaltensweisen schneller nachvollziehen oder verstehen.

LEBENSHILFE: Was waren deine Hauptaufgaben im FSJ?

VANESSA: Meine tägliche Arbeit war die Schulinklusion. Ich betreute eine 9-Jährige Schülerin in der 4. Klasse einer Grundschule mit der Diagnose ADHS. Hauptsächlich war ich also da, sie emotional zu unterstützen, wenn sie mit ihrer Gefühlslage nicht umgehen konnte, und sie zu motivieren, wenn sie mal gar keine Lust hatte, Aufgaben zu erledigen oder mitzuarbeiten. Ich war also ein fester Teil der Klasse. Des Weiteren war ich aktiv in drei Freizeitgruppen - der Kegel-, der Schwimm-, und der Chaosgruppe. Im Vordergrund der Gruppen steht ganz klar, den Menschen eine Freude zu bereiten, sich frei entfalten zu können und trotzdem immer auf Unterstützung durch uns Betreuer bauen zu können. Neben der Schulinklusion und den Gruppenaktivitäten kamen hin und wieder Aktionstage und Events der Lebenshilfe hinzu, wie z.B. der Weltkindertag, an dem wir FSJler zusammen mit anderen Lebenshilf'lern den Stand betreuen und Kinder schminken durften, die Eröffnungsfeier des inklusiven Kindergartens, Tausendfüssler der Lebenshilfe in Meiderich, an der jeder seine eigene Aufgabe hatte (Kinder beim Spielen begleiten, Kinderschminken, als Maskottchen Fotos machen etc.) oder das Eisfest, das alljährlich zelebriert wird, an dem wir in der Eishalle Duisburg Wedau zwei Spielstände betreuen durften. 

LEBENSHILFE: Was gefiel dir an deinem FSJ besonders gut?

VANESSA: Am meisten gefällt mir die Arbeit mit den vielen verschiedenen Charakteren. Man lernt in jeder Gruppe und an jedem Aktionstag immer wieder neue Leute kennen, die alle aus dem selben Grund dort sind. Das motiviert und macht vor Allem viel Spaß. Außerdem lässt die Lebenshilfe viele Möglichkeiten zu, sich selbst auszuprobieren und weiterzubilden. 

LEBENSHILFE: Was sind Bildungstage (was lernt man?) und wie viele musst du absolvieren?

VANESSA: Es gibt sowohl interne, als auch externe Bildungstage. Insgesamt absolviert man 25 Tage. Zu den internen Bildungstagen (2 Tage) gehören u.a. Mitarbeiter-Bildungsseminare der Lebenshilfe Duisburg oder FSJ-Reflexionstreffen, zu denen man sich in Kleingruppen oder der gesamten FSJler-Gruppe trifft um gemeinsam Themen zu erarbeiten oder den bisherigen FSJ-Weg zu reflektieren. Solche Treffen sind meist ganz spannend, denn man erfährt auch, was für Erfahrungen die anderen gesammelt haben und ob es Gemeinsamkeiten gibt. 

Bei den externen Bildungstagen (23 Tage) handelt es sich um mehrtägige Seminare, zu denen man in ein Hotel der Lebenshilfe eingeladen wird. Das Hotel liegt idyllisch hinter einigen Feldern und ist umgeben von der Wupper. Zwar ein wenig fernab der Realität, aber es gibt viele Angebote, die Freizeit nach der Seminarzeit dort zu nutzen. Jeden Tag geht es um ein bestimmtes Thema, wie z.B. Krankheitsbilder, Umgang mit Trauer, Freizeitangebote, Pflege, Medienkompetenz etc. Außerdem gibt es in fast allen Themen, Aspekte, die man auf sich selbst beziehen muss und somit lernt man während der externen Bildungstage auch noch eine Menge über sich selbst und beginnt auch teilweise unbewusst sich selbst zu reflektieren. Der Seminartag endet meist gegen 17 Uhr und danach ist freigestellt was man unternehmen möchte. Es gibt einen Pool, eine Sauna, ein großes Fußballfeld, Tretboote, einen Billardtisch... langweilig wird es definitiv nicht. Die Gruppe besteht aus Lebenshilfe-FSJlern aus ganz NRW und so lernt man auch andere FSJler kennen, die z.B. in völlig anderen Bereichen tätig sind und kann sich austauschen. 

LEBENSHILFE: Konntest du auch in anderen Bereichen hospitieren und wenn ja, wo?

VANESSA: Wenn ich gewollt hätte, hätte ich auch in anderen Bereichen hospitieren können. Man kann durchaus auch Tage im Büro verbringen, um auch mal hinter die Kulissen zu schauen, oder einen Tag in der Tagesgruppe oder einem der Kindergärten hospitieren um eben andere Eindrücke zu sammeln.

LEBENSHILFE: Würdest du das FSJ bei der Lebenshilfe Duisburg weiterempfehlen?

VANESSA: Definitiv würde ich das FSJ bei der Lebenshilfe Duisburg weiterempfehlen, da es eine wunderbare Möglichkeit ist viele Einblicke in die inklusive Arbeit zu bekommen und selbst herauszufinden, ob der Bereich zu einem passt. Man lernt viele Menschen kennen, entwickelt sich durch die vielen Tätigkeiten und Möglichkeiten weiter und hat auch nach dem FSJ noch die Möglichkeit, bei der Lebenshilfe zu bleiben. Außerdem gibt es viel Unterstützung seitens der Lebenshilfe und es wird versucht sich um jegliche Problemchen schnellstens zu kümmern - man steht also nie alleine da! 

Interview mit Felix Köllner, FSJ-Sprecher, Einsatz in der Heilpädagogischen Tagesgruppe

LEBENSHILFE: Wie bist du auf die Idee gekommen ein FSJ bei der LH Duisburg in der Behindertenhilfe zu absolvieren?

FELIX: Durch meinen Lebenslauf und meine Ausbildung in der Logopädie hatte ich bereits einige Erfahrungen im sozialen und medizinischen Bereich gesammelt. Zudem war mir klar, dass ich mir ein Sonderpädagogik-Studium sehr gut vorstellen kann und ich hatte eine Vision genau in diesem Bereich arbeiten zu können. Weil ich mir jedoch speziell im Bereich der Behindertenarbeit noch mehr und praxisorientiertere Erfahrungen wünschte, kam ich auf die Idee mich durch ein FSJ genau in diesem Bereich zu erproben.

LEBENSHILFE: Möchtest du später eine Ausbildung / ein Studium in Bereich Soziales oder Pädagogik beginnen?

FELIX: Ja! Ich habe vor Sonderpädagogik auf Lehramt oder Soziale Arbeit zu studieren.

LEBENSHILFE: Von welchen Erfahrungen aus deinem FSJ kannst du jetzt schon profitieren?

FELIX: Dadurch, dass wir in der Tagesgruppe, in welcher ich eingesetzt bin einen bunt gemischten Haufen verschiedener Kinder betreuen und im Alltag begleiten, konnte ich schon einige Erfahrungen sammeln:

Ich kann nun Störungsbilder wie den Autismus noch besser einordnen.

Ich habe ein besseres Einschätzungsvermögen erhalten, welche Angebote man welchem Kind anbieten kann ohne dieses zu über- oder unterfordern

Ich kann nun zielgerechter Hilfestellungen geben.

Und ich habe bestimmt noch einiges mehr bisher mitnehmen können.

LEBENSHILFE: Was sind deine Hauptaufgaben im FSJ?

FELIX: Ich betreue eine Kindergruppe von acht behinderten Kindern in einer Tagesgruppe. Diese haben unterschiedliche Einschränkungen und Schweregrade, von sozialen und emotionalen Schwächen und Lernbehinderungen bis hin zu geistigen Behinderungen und Autismus.

Ich begleite oft den Fahrdienst, da wir die Kinder von den Förderschulen abholen und zur Tagesgruppe bringen. Oft fahre ich auch einen Dienstwagen um einige Kinder abzuholen.

Nachdem sich alle Kinder in der Tagesgruppe eingefunden haben, wird gemeinsam zu Mittag gegessen. Hilfsarbeiten wie die Küchenarbeit und das Kochen für die Kinder gehören auch zum Arbeitsfeld des FSJlers und die Wochenaufgaben wie den Bringdienst, das Kochen, oder die Küchenhygiene werden wöchentlich aufgeteilt.

Anschließend werden gemeinsam mit den Kindern Angebote durchgeführt, die an die Jahreszeit oder einem bestimmten Thema angepasst sind. Über den Tag hinweg wird auch im Freispiel gespielt, gebastelt oder die Hausaufgaben der Kinder begleitet.

Der Abschluss des Tages ist eine Abschlussrunde, in welcher man mit den Kindern gemeinsam reflektiert.

Zuletzt werden die Kinder mit verschiedenen Touren nach Hause gebracht, hierbei beteilige ich mich auch täglich.

Innerhalb der Ferien findet eine Ferienbetreuung statt, wo man Ausflüge oder Aktionstage mit den Kindern verbringt. Ich habe mich zum Beispiel auch für die Stadtranderholung der Lebenshilfe eingesetzt und diese mit organisiert und durchgeführt. Wir hatten das Thema Mittelalter und haben eine Woche lang, Bastel- und Spielaktionen, die etwas mit dem Mittelalter zu tun hatten, angeboten.

LEBENSHILFE: Was gefällt dir am FSJ besonders gut?

FELIX: Die ehrlichen Rückmeldungen der Kinder. Man merkt sofort, wenn die Aktion, welche man anbietet den Kindern Spaß macht und man diese mitreißen kann, auch mal über Ihre Grenzen hinaus zu wachsen.

LEBENSHILFE: Was sind Bildungstage? Was lernt man? Und wieviele muss man absolvieren?

FELIX: Bildungsseminare sind zwei bis drei stündliche Sitzungen, in welchen man einen Vortrag zu einem bestimmten Thema, wie z.B. Autismus erhält. So kann man Fachwissen erlangen und die Praxis mit einem bisschen Theorie festigen.

Zudem fährt man auf Seminarreise, in welcher man fünf Tage lang mit einigen anderen FSJlern zusammen, jeweils täglich acht Stunden in verschiedenen Bereichen geschult wird.

Man muss mindestens 16 Bildungsstunden und drei Wochen Seminarreise vorweisen.

LEBENSHILFE: Kannst du auch in anderen Bereichen hospitieren und wenn ja, wo?

FELIX: Ich kann zum Beispiel in der Familienhilfe, der Therapiestunden der Kinder oder in der Schule hospitieren und dort auch einige Erfahrungen sammeln.

LEBENSHILFE: Würdest du ein FSJ der LH Duisburg weiterempfehlen?

FELIX: Ja, das würde ich. Ich finde man lernt einiges und erhält einen Praxisbezug im Bereich der Sonderpädagogik.