Digitales Pionierprojekt: Diagnostik und Therapie sollen 2.0 werden

Lebenshilfe Duisburg baut digitale Brücken für besseren Diagnostik- und Therapiefluss

Duisburg. Ellenlange Wartelisten für Familien, deren Kinder dringend eine Diagnostik benötigen, ein Mangel an medizinischen Fachkräften, fortschreitende Isolation bei Menschen mit Beeinträchtigungen, die zur Bewältigung ihres Alltags Beratung und therapeutische Hilfe benötigen. Das sind Szenarien, die sich durch die langanhaltende Coronapandemie weiter verstärkt haben. Die Lebenshilfe Duisburg setzt genau hier an und bringt durch die Unterstützung der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und mit Eigenmitteln einen zukunftsfähigen Stein ins Rollen: Sowohl die Frühdiagnostik von Kindern zwischen 0-6 Jahren als auch Beratung und Therapie werden als digitale Leistungen ausgearbeitet. Im Rahmen eines Pilotprojekts werden die neuen Angebote getestet – teilnehmende Haushalte mit entsprechendem Bedarf werden mit Leihgeräten ausgestattet und von medizinisch-technischem Fachpersonal bei der Durchführung von Untersuchungen und Therapie unterstützt.


„Die coronabedingten monatelangen Schließungen unserer Einrichtungen haben uns im vergangenen Jahr gezeigt, dass definitiv ein Weg zu alternativen Lösungen führt und führen muss – er muss nur geebnet werden. Neben unseren drei Standorten in der Frühförderung und unseren Beratungs- und Therapiezentren wollen wir langfristig neue digitale Standbeine aufbauen. Unser Pionierprojekt wird hier einen entscheidenden Beitrag leisten“, erklärt Michael Reichelt, Geschäfts-führer der Lebenshilfe Duisburg zum zukunftsweisenden Projekt. „Wenn man per Videoschaltung am Herzen operieren kann, wieso sollte man mit entsprechender Ausrüstung und Anleitung keine Eingangsdiagnostik bei Kindern mit drohender Behinderung durchführen können?“

Ansätze der Lebenshilfe Duisburg: Runter von den Wartelisten, raus aus der Isolation


Im Kern geht es der Lebenshilfe Duisburg darum, Kinder mit etwaigem Förderbedarf möglichst zeitnah von den Wartelisten runter in die fachärztliche Untersuchung zu bringen, um frühzeitig Entwicklungsverzögerungen festzustellen und die Kinder entsprechend zu fördern.
Ziel des Projekts ist es aber auch, Beratung und Therapie über den digitalen Weg zu sichern und zu verbessern – gerade mit Blick auf die derzeitige Situation. Viele Menschen mit Beeinträchtigungen haben sehr unter den Lockdowns gelitten, da ihre Therapiesitzungen komplett weggefallen sind. Eine weitere Vereinsamung war und ist die Folge. Stefanie Kähmann, Leiterin des Autismuszentrum der Lebenshilfe Duisburg, weiß, dass es auch anders geht: „Die internetgestützte Therapie ist bereits seit Jahren Bestandteil des Therapieplans unserer autistischen Klient*innen – wir setzen sie erfolgreich ein. Gerade im letzten Jahr konnten wir so den Kontakt zueinander halten und die Therapien fortführen.“ Da aber nicht alle Betroffenen über eine geeignete Infrastruktur und das technische Wissen verfügen, werden diese Menschen künftig an die Hand genommen: Sie bekommen ein passendes Gerät und Zubehör ausgeliehen. Während bei Eingangsuntersuchungen ein pädiatrischer Facharzt oder bei der digitalen Behandlung ein Therapeut auf der einen Seite der Videoschaltung sitzt, werden die Klient*innen Zuhause von einer medizinischen Fachkraft mit technischem Hintergrund durch die Untersuchung oder Therapiesitzung begleitet. Entscheidende Vorteile gegenüber einem Treffen vor Ort: Anfahrtswege und potenzielle Infektionsrisiken entfallen bei allen Beteiligten, die Kinder befinden sich in häuslicher Umgebung und zeigen sich realitätsnah, bei weiterem Pandemiegeschehen können Termine gehalten werden.


Neutrale Vermittlerin beim Spagat zwischen knappen Ressourcen und hohen Ansprüchen



„Wir wollen testen, zu welchen Bedingungen diese videobasierten Verfahren funktionieren, wo eventuelle Grenzen liegen und was man daraus als wasserdichte Angebote für die Zukunft ableiten kann“, schildert Reichelt seine Erwartungen. „Als Lebenshilfe Duisburg stehen wir als neutrale Instanz zwischen knappen zeitlichen und ärztlichen Ressourcen und hohen qualitativen Ansprüchen, was Diagnostik und Therapie angeht: Wir möchten mit unserem Pionierprojekt zum einen Fachkräfte mobilisieren und sie für alternative Wege gewinnen, aber auch Kostenträger überzeugen.“ Diese bewilligen die videogestützte Frühförderung aktuell bis zum 30. September 2021 nur im Falle einer medizinischen Notwendigkeit, eine Fortführung ist jedoch nicht ausgeschlossen. Auch hier sieht sich das gemeinnützige Unternehmen in der Aufgabe, über erfolgreiche Modellprojekte Akzeptanz und schlussendlich Erweiterungen in der Kostenträgerschaft zu erreichen.


Hier finden Sie weitere digitale Projekte der Lebenshilfe: https://www.lebenshilfe-duisburg.de/leistungen/digitale-neuigkeiten-aus-der-lebenshilfe-duisburg/

 

Pressemitteilung als PDF


Mehr Informationen zur Stiftung Wohlfahrtspflege NRW unter: http://www.sw-nrw.de/


Bild: Michael Reichelt, Geschäftsführer der Lebenshilfe Duisburg

 


Kontakt


Ansprechpartnerin: Lara Landwehr

Tel.: 0203/ 280 999-0

E-Mail: l.landwehr@lebenshilfe-duisburg.de

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